Nasser Schnee auf Dächern: Tipps vom Experten

Auf Schneefall und eisige Temperaturen folgt Regen. Die Belastung für Hausdächer steigt durch nassen Schnee deutlich. Fachleute weisen darauf hin, dass nicht die Schneehöhe, sondern vor allem der Wassergehalt des Schnees über die Gefahr entscheidet. Besonders Flach- und ältere Dächer gelten als gefährdet.

Bürgerinnen und Bürger sollten bei Schneefall prüfen, wie viel Schnee auf dem Dach liegt, ohne dieses zu betreten. Dazu kann Schnee vom Boden ausgestochen und gewogen werden, um Rückschlüsse auf die Last zu ziehen. Dächer mit weniger als 20 Prozent Neigung gelten als besonders gefährdet, da Schmelz- oder Regenwasser schlecht abfließt. Flachdächer reagieren dabei deutlich sensibler als Steildächer.

Bereits zehn Zentimeter sehr nasser Schnee verursachen eine Last von rund 80 Kilogramm pro Quadratmeter. Diese Belastung entspricht etwa der üblichen Schneelast, für die die Dächer im Raum München ausgelegt sind. Die zulässigen Schneelasten unterscheiden sich regional und sind in den Statikunterlagen des jeweiligen Hauses vermerkt. Entscheidend bleibt stets der Wasseranteil des Schnees, nicht dessen Höhe.

Bei Frost-Tau-Wechseln bilden sich Eisplatten und Eiszapfen, die abrutschen und zur Gefahr werden können. Zeigen sich Verformungen am Dach, klemmen Türen oder Fenster oder entstehen Risse im Putz, ist fachliche Hilfe erforderlich. Dächer sollten nicht selbst geräumt werden, das ist lebensgefährlich – im Zweifel sollten Fachleute oder bei akuter Gefahr die Feuerwehr verständigt werden. Geeignete Statikerinnen und Statiker sind über die Ingenieurkammern der Länder oder Portale wie planersuche.de auffindbar.

Quelle: Universität der Bundeswehr München / Prof. Norbert Gebbeken (Exzellenter Emeritus, Bauingenieur und Experte für Kritische Infrastruktur)
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