Familienrichterin Ulrike Sachenbacher spricht in Miesbach über Kinderschutz

Münchens Familienrichterin Ulrike Sachenbacher war im Landratsamt Miesbach zu Gast und sprach vor Vertretern von Jugendamt, Polizei, Justiz und Beratungsstellen über Kinderrechte und Kinderschutz im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt.

Auf Einladung des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt, einer Einrichtung des Landkreises, die von der Gleichstellungsbeauftragten am Landratsamt Miesbach, Sonja Häberlein, geleitet wird, referierte Ulrike Sachenbacher, die in Familiensachen wichtigste Richterin Münchens, über das Thema „Kinderrechte und Kinderschutz im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt – ein (un)lösbarer Widerspruch?“. Sie gab den etwa 50 Anwesenden, darunter Vertreter von Polizei, Justiz, Jugendamt und Beratungsstellen, Anregungen für ihren Alltag mit.

Sachenbacher, die 2022 von Justizminister Georg Eisenreich zur Kompetenzpartnerin Kinderschutz im Oberlandesgerichtsbezirk München berufen wurde, wurde auf Initiative von Gudrun Gallin von der Beratungsstelle MaVia nach Miesbach eingeladen. Sie betonte, dass ein Familienrichter in jedem Fall mit vielen Vorgaben wie Grundgesetz, Menschenrechtskonvention, UN-Kinderrechtskonvention, Istanbulkonvention, Gewaltschutzgesetz und Kinder- und Jugendhilfegesetz konfrontiert sei. Sie riet dazu, auch im Landkreis Miesbach sogenannte Fallkonferenzen zu etablieren, da die Zusammenarbeit im Netzwerk elementar sei.

Die vierfache Mutter stellte zudem das Münchner Modell vor, das auf beschleunigte Verfahren ausgerichtet ist, die den Aufenthalt des Kindes, das Umgangsrecht oder die Herausgabe des Kindes betreffen. Sie hob hervor: „Das vorrangige Ziel ist immer der Kinder- und Opferschutz.“ Dabei sei auch eine Selbstreflexion der Beteiligten wichtig, da Vorurteile einer professionellen Zusammenarbeit im Wege stünden.

Immer wieder forderte Ulrike Sachenbacher von der Politik mehr Personal für Justiz, Jugendämter, Polizei und Beratungsstellen. Landrat Olaf von Löwis begrüßte die vom Ministerrat beschlossene Maßnahme, ab dem Jahr 2027 67 Millionen Euro zur Erhaltung und zum Ausbau des Hilfesystems bereitzustellen. Sachenbacher entgegnete, ein großer Erfolg wäre, wenn jeder Landkreis zwei bis drei Schutzwohnungen für Frauen mit Kindern bereithalten oder an Grund- und Mittelschulen jeder Lehrkraft ein Sozialpädagoge zur Seite gestellt würde. Sie kritisierte, dass die Ministerien hier noch zu getrennt arbeiteten.

Im Anschluss an den Fachvortrag tauschten sich die Teilnehmenden aus. Landrat Olaf von Löwis äußerte den Wunsch, mehr über häusliche Gewalt zu sprechen, in die Öffentlichkeit zu gehen, sich zu vernetzen und über Handlungsempfehlungen und Beratungseinrichtungen zu informieren.

Quelle und Bildquelle: Landratsamt Miesbach
Foto: Landrat Olaf von Löwis begrüßte (v.l.) Münchens Familienrichterin Nummer eins, Ulrike Sachenbacher, die auf Initiative von Gudrun Gallin von MaVia sowie der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, Sonja Häberlein, und ihrer Stellvertreterin Anna-Lena Pfeufer jetzt über Kinderschutz referierte und viel aus ihrem Alltag berichtete.