Energie-Analyse im Landkreis Miesbach: Große Potenziale bei Wärme und Strom

Die Regionalentwicklung Oberland (REO) hat gemeinsam mit dem Klimaschutzmanagement des Landratsamtes die Energiestrukturen im Landkreis Miesbach untersucht. Die Analyse zeigt große Potenziale bei Wärme und Strom, aber auch deutlichen Handlungsbedarf, um die Energiezukunft aktiv zu gestalten.

Die Energiezukunft des Landkreises Miesbach wird laut Regionalentwicklung Oberland (REO) heute entschieden. Viele aktuelle Entscheidungen, wie Heizungswechsel, Gebäudesanierung, Photovoltaikanlagen oder der Ausbau erneuerbarer Energien, prägen die Energieversorgung der nächsten Jahrzehnte.

Die REO hat die Energiestrukturen im Landkreis genauer betrachtet und dabei zentrale Entwicklungen sowie Potenziale analysiert. Grundlage waren Daten des Energie-Atlas Bayern und die Energie- und Treibhausgasbilanz des Landratsamtes Miesbach. Für Unternehmen ist Energie ein entscheidender Kostenfaktor und zunehmend ein Standortkriterium, für Kommunen eine Frage der Versorgungssicherheit, Infrastruktur und Zukunftsfähigkeit.

Ein großer Anteil des Energieverbrauchs im Landkreis entfällt auf den Wärmesektor. Mit rund 1,25 Millionen Megawattstunden liegt der Energiebedarf für Wärme etwa dreimal so hoch wie der für Strom. Der Strombedarf lag 2023 bei 397.996 Megawattstunden. Der hohe Energieverbrauch im Wärmesektor wird hauptsächlich durch den Gebäudebestand erklärt, da mehr als die Hälfte aller Gebäude vor 1978 errichtet wurde. Hier liegen große Potenziale für Sanierung und Effizienzsteigerung.

Der Landkreis erzeugt derzeit erst ein Viertel seines Stroms selbst. Lediglich rund 26 Prozent des verbrauchten Stroms stammen aus regionalen erneuerbaren Quellen, während das Oberland insgesamt einen erneuerbaren Deckungsgrad von etwa 94 Prozent erreicht. Vorstand Alexander Schmid sieht hier eine Chance: „Gerade im Bereich Strom leisten wir als Landkreis derzeit noch den geringsten Beitrag zur Energiewende im Oberland. Das ist keine Kritik, sondern eine Chance. Hier liegen enorme Potenziale zusätzliche Wertschöpfung in den Landkreis zu holen.“

Der Strombedarf wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen, unter anderem durch Wärmepumpen, Elektromobilität und die zunehmende Elektrifizierung. Ein Rechenbeispiel zeigt, dass rechnerisch rund 18 moderne Windräder wie die Anlage in Otterfing nötig wären, um den Strombedarf aller privaten Haushalte im Landkreis Miesbach abzudecken. Für den gesamten Stromverbrauch des Landkreises wären etwa 48 Anlagen erforderlich. Die dauerhaft beanspruchte Fläche läge dabei bei weniger als 0,02 Prozent der Landkreisfläche. Alternativ könnte der gesamte Strombedarf rechnerisch auch durch Solarparks auf weniger als einem halben Prozent der Landkreisfläche gedeckt werden.

Alexander Schmid betont, dass es sich hierbei um theoretische Szenarien handelt, die jedoch zeigen, dass der Flächenbedarf oft anders diskutiert wird als die tatsächlichen Zahlen vermuten lassen. In der Praxis sei ein ausgewogener Energiemix aus Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie entscheidend. Der Landkreis Miesbach hat sich als Teil der Energiewende Oberland das Ziel gesetzt, seine Energiezukunft aktiv zu gestalten. Schmid fasst zusammen: „Wir werden die Herausforderungen der kommenden Jahre nur gemeinsam bewältigen. Die Energiewende ist keine Aufgabe einzelner Kommunen oder einzelner Bürger. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der gesamten Region.“

Alle Zahlen zur Analyse sind hier verfügbar.

Quelle: Regionalentwicklung Oberland