Eine aktuelle Untersuchung des Pestel-Instituts zeigt, dass nur ein geringer Anteil der Wohnungen im Alpenwelle-Land altersgerecht ist. Insbesondere fehlen gut begehbare Duschen, während die Nachfrage nach seniorenfreundlichem Wohnraum steigt.
Das Pestel-Institut hat im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse zur „Alterstauglichkeit“ von Wohnungen durchgeführt. Von den knapp 53.400 Wohnungen im Landkreis Miesbach sind demnach nur rund 3.400 so gebaut, dass ältere Menschen, auch mit Rollator oder Rollstuhl, ideal darin zurechtkommen. Dies entspricht etwa 6 Prozent aller Wohnungen im Landkreis Miesbach. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sind es rund 4.500 von gut 65.400 Wohnungen, also etwa 7 Prozent.
Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, betont die Notwendigkeit von Standards, um mit körperlichen Einschränkungen oder als Pflegefall in den eigenen vier Wänden alt werden zu können. Es müssten schnell mehr Seniorenwohnungen geschaffen werden, da eine altersgerechte Sanierung auf Dauer günstiger sei als ein Umzug ins Heim.
Die Untersuchung des Pestel-Instituts hebt hervor, dass altersgerechte Umbauten, insbesondere in Altbauwohnungen, wichtig sind. Dazu gehören wenige Barrieren wie Schwellen, Stufen oder Treppen sowie breite Türen und ausreichend Platz für Rollatoren oder Rollstühle, besonders in Bad und Küche. Matthias Günther erklärt, dass etwa 27 Prozent aller Hausflure im Landkreis Miesbach nicht breit genug für Rollstühle sind. Auch Haustüren seien oft zu schmal.
In den Wohnungen selbst sind Küchen und Bäder oft problematisch. Während 70 Prozent der Wohnungen eine ausreichend große Küche haben, können in rund 15.800 Küchen Menschen mit einem Rollstuhl nicht wenden. Bei den Bädern im Landkreis Miesbach sind 23.400 und somit 44 Prozent zu klein. Als wichtigstes Kriterium im Badezimmer wird die begehbare, bodengleiche Dusche genannt. Diese gibt es aktuell nur in rund 12.800 Wohnungen im Landkreis Miesbach, was lediglich 24 Prozent der Wohnungen entspricht. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sehen die Zahlen ähnlich aus.
Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts rät, beim altersgerechten Umbau von Wohnungen „unbedingt das Bad anzupacken“. Er weist jedoch auf Probleme bei älteren Gebäuden hin, bei denen die Decken für den Einbau einer bodengleichen Dusche zu dünn sein können. Es gebe einen „enormen Nachholbedarf“, um den Wohnungsbestand altersgerecht zu gestalten.
Katharina Metzger fordert eine „Senioren-Umbau-Offensive“ und „Boomer-Zuschüsse“ von der Politik, um barrierearme Wohnungen zu schaffen. Die Wissenschaftler des Pestel-Instituts schlagen vor, dass der Bund einen Großteil der Umbaukosten als Zuschuss übernehmen sollte, da die aktuelle staatliche Unterstützung von 10 Prozent beim Bad-Umbau als „Placebo-Zuschuss“ nicht ausreiche. Auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel kritisiert das bestehende „Förder-Dickicht“ und fordert den Bund auf, das altersgerechte Umbauen zum Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik zu machen und einen „milliardenschweren Zuschuss“ bereitzustellen.
Quelle: Pestel-Institut