Die Regionalentwicklung Oberland (REO) lädt erstmals zur REONALE 2026 in den Bosch Collaboration Campus in Holzkirchen ein. Am 16. Juni kommen Akteure aus Wirtschaft, Kommunen und Gesellschaft zusammen, um Lösungen für die Herausforderungen in den Bereichen Fachkräfte, Wohnraum und Flächen im Landkreis Miesbach zu erarbeiten.
Die REONALE 2026, eine Entwicklungskonferenz der REO, widmet sich zentralen Zukunftsfragen der Region, insbesondere den Themen Fachkräfte, Wohnraum und Flächen. Diese Herausforderungen betreffen Wirtschaft, Kommunen und Gesellschaft gleichermaßen und beeinflussen zunehmend die Entwicklungsperspektiven des Landkreises Miesbach.
Ein Hauptaugenmerk liegt auf dem Zusammenspiel von Fachkräftegewinnung, Wohnraum und Flächenentwicklung. Viele Betriebe suchen dringend Mitarbeitende, doch fehlende Wohnungen und begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten bremsen das Wachstum. Die REONALE will hier ansetzen und einen Raum für Austausch, neue Ideen und konkrete Ansätze schaffen.
Vorstandsvorsitzender Alexander Schmid betont, dass es darum gehe, gemeinsam ins Handeln zu kommen und durch das Zusammentreffen unterschiedlicher Perspektiven tragfähige Lösungen für die Region zu entwickeln.
Das Programm der REONALE 2026 beginnt mit einem inhaltlichen Impuls zum Thema Beteiligung und Verantwortung von Korbinian Kroiss, Geschäftsführer nonconform. Anschließend arbeiten die Teilnehmenden in vertiefenden Sessions an Fragestellungen weiter. Zur Auswahl stehen eine Ideenwerkstatt zum regionalen Wohnraum-Matching („Guad Beinand“), ein Prozess-Update zur Gewinnung und Bindung internationaler Fachkräfte sowie ein Workshop zur aktiven Rolle von Gemeinden in der Entwicklung ihrer Flächen. Die Teilnehmenden können sich im Vorfeld für eine Session entscheiden und bearbeiten das jeweilige Thema interaktiv in kleineren Gruppen, um konkrete Ansätze weiterzuentwickeln. Ergänzt wird das Programm durch Einblicke in Best Practices und bereits erfolgreiche Projekte.
Die Konferenz richtet sich an Unternehmer, kommunale Entscheidungsträger, Fachleute aus Verwaltung, Planung und Bau sowie an Eigentümer, Projektentwickelnde und alle, die die Zukunft der Region aktiv mitgestalten wollen. Ziel ist es, Projekte anzustoßen, die Wirkung entfalten – für Unternehmen, für Kommunen und für die gesamte Region.
Der Wohnungsmarkt im Landkreis Miesbach zählt zu den angespanntesten in Bayern, mit einer hohen Nachfrage und sehr geringer Flächenverfügbarkeit. Ein Leerstand von unter zwei Prozent bedeutet, dass faktisch kein freier Wohnungsmarkt mehr vorhanden ist. Die Region weist zudem eine der niedrigsten Raten an genehmigten und fertiggestellten Wohngebäuden auf. Naturräumliche und planerische Einschränkungen sowie steigende Baukosten und hohe Zinsen verschärfen die Situation. Haushalte mit mittleren Einkommen werden zunehmend aus dem Markt gedrängt.
Etwa drei Viertel aller Wohngebäude im Landkreis sind Ein- oder Zweifamilienhäuser, von denen viele heute nur noch von ein bis zwei Personen bewohnt werden. Fehlende barrierefreie Alternativen blockieren den Generationenwechsel, da ältere Menschen in großen Häusern bleiben, weil kleine, bezahlbare Wohnungen im Ort fehlen. Ein Potenzial liegt in der Innenentwicklung, etwa durch Dachgeschossausbau, Aufstockung oder Umnutzung, wobei vereinfachte Verfahren und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen entscheidend sind.
Wohnraum wird als entscheidender Wettbewerbsfaktor gesehen, da Fachkräfte ohne Wohnung keine Arbeitsverträge unterschreiben. Laut KOFA-Studien können in ländlichen Regionen mehr als sechs von zehn offenen Stellen rechnerisch nicht besetzt werden. Besonders betroffen sind Branchen wie Pflege, Handwerk, Tourismus, Gastronomie, Einzelhandel und Bildung. Kooperative Modelle zwischen Unternehmen, Kommunen und weiteren Akteuren sind gefragt. Auch der Zuzug internationaler Fachkräfte scheitert laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) immer häufiger an fehlendem Wohnraum.
Die Entkopplung von Arbeits- und Wohnort verändert die soziale Struktur des Landkreises. Der demografische Wandel gefährdet Nahversorgung und regionale Wertschöpfung, da Nachfolger und Fachkräfte für inhabergeführte Betriebe fehlen. Ohne Gegenmaßnahmen drohen langfristig nicht nur wirtschaftliche Verluste, sondern auch der Rückgang von Nahversorgung, Vereinsleben und sozialem Zusammenhalt, begleitet von wachsendem Pendlerverkehr.
Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Interessierte hier.
Quelle und Bildquelle: Regionalentwicklung Oberland